Außenbeurteilung


In unserer Leistungsgesellschaft, in der wir permanent performen müssen, ist leider eine soziale Qualität in Verruf geraten – die Beurteilung der Fähigkeiten unserer Mitmenschen. Ranking-Systeme und online Bewertungen auf diversen Plattformen haben uns an ein permanentes Beurteilen gewöhnt, das sich sehr weit von einem verantworteten und gut überlegten Urteil entfernt hat.

Gerade weil wir zum ständigen Bewerten aufgefordert werden, trauen wir im Umkehrschluss durch seine Abnutzung dem menschlichen Urteil kaum noch etwas zu. Im Bildungswesen versuchen wir das durch standardisierte Zeugnisse oder gar Multiple-Choice-Tests auszuklammern. Aber wäre nicht gerade dort ein ehrliches Urteil von einem Mitmenschen angemessen?

Der Abschluss eines Bildungsweges oder einer Bildungsetappe ist schließlich etwas sehr Bedeutendes. Zum einen bringe ich persönlich etwas für mich Erlerntes zu einem vorläufigen Höhepunkt, zum anderen will ich das Erlernte in den Dienst meiner Mitmenschen stellen. Diesen Übergang versucht ein Abschluss abzubilden.

Dafür sind Fremdeinschätzungen von großem Wert. Ich kann durch sie erfahren, wo Menschen, von denen ich lernen durfte, bei mir besondere Stärken sehen und an welchen Stellen sich ein weiteres Üben lohnt.

Neben der Möglichkeit, dass ich selbst in meinen Spiegel gucken darf, kann diese Fremdeinschätzung zusätzlich eine Hilfe sein, für die Menschen, bei denen ich meine Fähigkeiten einbringen will. Entweder, weil sie auf das Urteil dieser Fremdeinschätzung vertrauen oder weil ihnen bereits eine weitere Stimme neben meinem Bewerbungsschreiben einen besseren Gesamteindruck vermittelt.

Der BildungsBrief will daher nicht das in allen Abschlüssen steckende Prinzip der Außenbeurteilung überwinden, sondern deren menschliche Komponente stärken: Die Kraft, die darin liegt, wenn jemand einem Menschen in eigener Verantwortung eine Empfehlung mitgibt, die sich hinter keiner standardisierten Norm oder Institution verstecken kann.